Über Linux
1991 begann der finnische Student Linus Torvalds mit einem erworbenen 386er PC
ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln, da er unzufrieden mit dem mitgelieferten
DOS Betriebssystem war.
Für seine Studien benutzte er einige Zeit das für Lehrszwecke von dem holländischen
Informatik-Professor A. S. Tanenbaum entwickelte UNIX-ähnliche Betriebssystem "MINIX"
Auf Grund der Begrenzungen und der restriktiven Lizenz von MINIX begann er dann,
um nicht lizenzrechtlichen Beschränkungen unterworfen zu sein, ein eigens, UNIX-ähnliches
Betriebssystem von Grund auf neu zu entwickeln.
Möglich wurde diese auch und gerade durch die Infrastruktur des Intranets und nicht zuletzt durch
die ca 1984 gegründetet FSF (Free Software Foundation) und der von ihr geschaffenen speziellen
GPL (GNU Public License).
Die bekanntesten Tools, die unter die GPL gestellt wurden, sind die
GNU-Compiler gcc und g++, die binutils und der
Editor Emacs der FSF.
Linus Torvalds veröffentlichte die erste Version im Internet und war, wie er selbst sagte, völlig
überrascht von der Resonanz. Dieses war praktisch die Geburtsstunde von Linux, einem freien,
leistungsfähigen und stabilen Betriebssystem, dass eine neue, bis dahin in diesem Ausmass einmalige
weltweite Bewegung zur Schaffung freier Software von hoher Qualität ins Leben rief.
Innerhalb von nicht einmal 10 Jahren hat es eine weltweite Bewegung von motivierten, nicht in
erste Linie auf kurzfristige wirtschaftliche Erfolge ziehlenden Entwicklern und Anwendern geschafft,
allen etabliertern Herstellern von Betriebssystemen das Fürchten zu lehren. Der Allgemeinheit
wurde dieses wohl zum ersten mal durch die Messe-Berichtserstattung in den Medien und den
überwältigenden Erfolg auf der Cebit ´99 verdeutlicht.
Inzwischen ist Linux wohl das einzige universelle Betriebssystem, das auf den meisten Hardware-Plattformen
und Prozessoren (Intel x86, SPARC, RS6000, MC68k, ARM, Alpha AXP usw.) portiert wurde und hier mit bestechender
Stabilität und Performance läuft.
Dieses stellt im übrigen auch für Entscheider eine nicht zu unterschätzende Investitions-
Sicherheit dar.
Die anfänglichen Vorbehalte seitens der mainstream Anwender und Entscheider bezüglich der
langfristigen Verfügbarkeit und des Services/Supports lassen sich durch dass Engagement solcher Firmen
wie IBM, HP, Compaq, SAP usw. rational nicht mehr begrüden (Im Übrigen, wer hätte denn
schon mal von einem Fall gehört, dass ein grosser Software-Hersteller wie z.B. Microsoft bei Feststellung eines
Fehlers durch einen Kunden wie z.B. Siemens sich sofort darum bemüht hätte, diesen Fehler zu
beseitigen. Und wie sähe dieser Fall dann erst bei einem kleineren Unternehmen aus?).
In der OSS-Welt (= Open Source Software der Sammelbegriff für Software,
die unter einer OSS-konformen Lizenz veröffentlicht wird) ist eine schnelle Beseitigung eines Fehlers
der Regelfall.
Ausserdem hat der Anwender, da der Quelltext der Programme ja zur Verfügung steht, immer die
Möeglichkeit, entweder selbst oder von einen Mitarbeiter, oder per Auftrag den Fehler beseitigen
zu lassen, oder, etwas, dass mit üblicher gekaufter Software nur sehr selten möglich ist, kann
die bestehende Software abändern oder um Funktionen erweitern, die er dann auch der Allgemeinheit
wieder zur Verf¨gung stellen kann.
Eines darf er jedoch nicht: die veränderte Software weiterverkaufen (siehe GPL, bzw. andere OSS-Lizenzen).
Wie auch bei anderen Betriebssystemen gibt es inzwischen ein breites Angebot an Schulung und Qualifizierung
das alle Aspekte vom Anwender bis zum Systementwickler umfasst.
Diese Veranstaltungen werde sowohl von unabhängigen Schulungs-Unternehmen, als auch von den grösseren
Linux-Distributoren (z.B. SuSE, Red Hat, Caldera, Turbo Linux) und solchen Firmen wie z.B. IBM angeboten.
Für den technischen Support existiert inzwischen ein Netz aus unabhängigen regionalen Unternehmen, grössere
überregional tätige Service-Unternehmen, den genannten Distributoren und Firmen wie IBM, HP, Siemens, Compaq
usw.
Freie Software gibt es im übrigen schon seit Beginn der Software-Entwicklung und die meisten dieser Programme
wurden wohl im UNIX Umfeld erstellt. Der Verdienst der FSF ist die klare Definition und der moralische Anspruch, der
in der GPL festgeschrieben wurde, sowie natürlich die von der FSF geschaffene GNU-Software.
Die GPL wurde auch der Masstab für neuere Lizenzbestimmungen für freie Dokumentationen
und Publikationen, sowie im Bereich der Hardware-Entwicklung. Vielleicht wird sie auch noch eine Entsprechung
in künstlerische Bereichen finden. Beispielsweise in der Musik, gerade im Hinblick auf mp3 und der
Veröffentlichung im Internet.
Autor:
Heinrich E. Seifert
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